Beitragsseiten

Fußball: Begeisterung bei der Zweiten

Große Begeisterung bei der Zweiten, als der neue Trainer, Heiko Nowek, kam. Aber die erwarteten guten Leistungen ließen auf sich warten. Positiv jedoch, daß sich einige Spieler - Stefan Wendt, Knut Pätzold. Andre Wessel, Kai Schlüschen - für den Einsatz in der Ersten empfahlen. Bei der Dritten mußte Theo aus beruflichen Gründen passen und bei den Alten gab es nicht den erwarteten Höhenflug. Es gab genügend Spieler, aber nur auf dem Papier. Einer verließ sich auf den anderen, und das besonders, wenn das Wetter nicht gut war. Aber schließlich handelt es sich zum größten Teil um Ehemänner, die auch schon Kinder hatten. Bei ihnen stand die Eamilie, gefolgt vom Beruf, im Vordergrund. Besser sah es bei der Jugend aus. An zwei A- und einer B-Mannschaft war der TuS (Spielgemeinschaften) beteiligt. Anlaufschwierigkeiten bei der C, bei der D wurde aus zwei Mannschaften eine gebildet und die wurde prompt Staffelsieger. Die E mit gleich drei Trainern, lag in der Spitzengruppe. Mentor gab sein Wissen an die F weiter und hatte viel Hilfe bei der Organisation von den engagierten Eltern.
Noch ein paar Bemerkungen zu den gewichtigeren Spielern. Da gab es die Senioren - alle mindestens 40. Auf dem Papier 24, aber nicht ein einziges Mal konnte zweimal hintereiander mit dergleichen Mannschaft aufgelaufen werden. Lästert Kalle Brandt:."ine neue Tracht mußte her, die alte wurde komischerweise immer enger." Lag es daran, daß die Devise ausgegeben wurde: Nach getaner Arbeit ein bisschen zusammensitzen, klöhnen und schnacken und die Flüssigkeit, die man ausgeschwitzt hat, in flüssiger Form wieder aufnehmen?
Noch gewichtiger war eine Truppe, die sich "Die Jungs" nannte. Sogar trainiert hat man. Beim ersten Spiel zwei Tore geschossen (über die Zahl, die eingefangen wurden, sprach man nicht) und zu einem Turnier gemeldet. In Maschen kam die mit Abstand gewichtigste Truppe des TuS Fleestedt auf einen sensationellen zweiten Platz. Haben die getönt, haben die geschluckt, haben die die Zukunft in rosigen Tönen geschildert! Nur, gesehen hat man von ihnen später nichts mehr, aber gehört. Am Tresen, wenn von glorreichen Zeiten berichtet wurde.


Weltmeister Horst Albrecht: 50 sollen es werden!

Horst, ich suche ein Bild von Dir, am besten eines, wo Du mit einer Medaille drauf bist!" Horst druckste rum. Ich hab' gar kein Gutes, Du musst warten." Dieses Gespräch - in Kurzform wiedergegeben - führte ich, der Chronist, mit Horst Albrecht, erfolgreichster Sportler des TuS Fleestedt und Ehrenvorsitzender des Vereins, Ende Mai 2004. Ich bohrte weiter: "Horst, Du hast schon so viele Medaillen bekommen. Da muß es doch Fotos geben!" Warte ab, ich habe in diesem Jahr noch einige Wettkämpfe. Dann melde ich mich, versprochen!"
Horst Albrecht, am 19.7.1923 in Altona (gehörte damals zu Preußen) geboren, war seinen Eltern sehr teuer. Im Inflationsjahr zur Welt gekommen kostete seine Geburt sechs Millionen Mark. Einen Tag später reichte dieses Geld nur noch, um eine Handbürste zu kaufen. Seine Eltern konnten ihm trotzdem eine gute Ausbildung ermöglichen. Er brachte es zum Diplom-Ingenieur in der Elektrotechnik. 1960 - von der Post nach Harburg versetzt, inzwischen mit Ilse verheiratet, bauten die Albrechts in Fleestedt ein Haus, wo auch die drei Töchter aufwuchsen. 1964 wurde der Neubau bezogen. Bargeld hatten wir nicht viel. Mit Eigenarbeit haben wir rund 100 000 Mark gespart.
In der Schul- und Jugendzeit war er - nach eigenem Bekunden - ein eher durchschnittlicher Sportler," heißt es in der Laudatio seiner Freunde zum 80. Geburtstag von Horst. Nach dem Krieg, im zarten Alter von 3o Jahren, begann er mit der Leichtathletik, um das Sportabzeichen zu erwerben, bestritt kleinere Wettbewerbe und erreichte Leistungen (6,56 m weit, 11,7 auf 100 m) die ihn in Deutschland vielleicht auf Platz 1000 der Bestenliste gebracht hätten. Dann aber geschah es: 1989 traf Horst - so erzählte er - in einem Nationalpark im Westen der USA einen Bus mit Deutschen, die ihm sagten, sie wollten an den Senioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene teilnehmen."
Ehrgeizig war Horst schon immer, aber jetzt wollte er es wissen. 1990 Europameisterschaft in Budapest. Über WM 1991 in Turku, EM 1992 in Kristiansand, WM in Japan kam der Fleestedter zur Europameisterschaft 1994 nach Athen. Waren es vorher noch 3., 4., 6. und 8. Plätze, so begann hier der Medaillensegen: Bronze über 80 m Hürden, Silber über 100 m und im Weitsprung, Gold und damit Europameisterschaft in der 4 mal 100 m Staffel. Seine bisher wertvollste Medaille:
Silber im Zehnkampf bei der WM im australischen Brisbane.
Dazu kam die Goldene in der 4 mal 100 m Staffel. Dafür hatte der damals 78-jährige eisern trainiert. Ich kann mich noch gut daran erinnern, daß einige Zeit zuvor Vorstandsmitglieder verständnislos mit dem Kopf geschüttelt hatten, als Horst Albrecht darum bat, einen Stab für das Springen anzuschaffen. Das Geld wurde bewilligt, aber einige taten es knurrend. Mir ist auch nicht bekannt, daß sie den Horst nach Brisbane gefeiert haben. Das taten die Leichtathleten in kleinem Kreis.
Die Bilanz am 30. August 2003, gezogen und verkündet auf der Geburtstagsfeier: Bei Weltmeisterschaften 2 mal Gold, 4 mal Silber, 1 mal Bronze, bei Europameisterschaften 7 mal Gold, 11 mal Silber, 9 mal Bronze. 10 mal Silber bei Deutschen Meisterschaften, 14 Landesmeistertitel, 41 Bezirksmeisterschaften, 50 Kreistitel, 39 mal das Goldene Sportabzeichen. Er stellte dabei einen Europarekord auf, drei deutsche Rekorde, neun Landesrekorde und 30 Kreisrekorde auf.
Anruf bei Horst Albrecht: "Stimmt es, daß Du nie Deutscher Meister geworden bist?" "Ja, in Deutschland hat es bisher immer jemand gegeben, der im entscheidenden Moment etwas besser war. Hier bei uns ist auch die Beteiligung immer groß, bei den Wettkämpfen im Ausland ist die Konkurrenz oft nicht so stark. Aber das mit dem deutschen Titel soll sich ändern. Noch in diesem Jahr. Denn die Anzahl der Teilnehmer in meiner Altersklasse nimmt immer mehr ab."
Aber die Liste ist schon jetzt, einige Monate nach der Geburtstag-Rede, überholt. Denn bei den Weltmeisterschaften der Senioren im Glaspalast von Sindelfingen räumte Horst Albrecht wieder ab. Die Goldmedaille gab es für ihn über die 60 m Hürden und auch in der goldenen 4 mal 200 m Staffel war er dabei. Dazu gab es Silber im Fünfkampfund Silber im Weitsprung. Die Siegerweite: 3,40 Meter. Horst Albrecht, das soll an dieser stelle noch einmal betont sein, stellte diese Weite mit 80 Jahren auf!
Fit wie ein Turnschuh. Das trifft zu auf den Senior, der fast jeden Donnerstag mit Turnschuh und Sportanzug im Klubhaus des TuS Fleestedt erscheint, einen Kleinigkeit ist, sein Bier -und wenn es einen Geburtstag oder eine andere Gelegenheit gibt auch mal einen Kurze zu sich nimmt. Aufgeschlossen, zuversichtlich und zumeist fröhlich. Dabei hatte es Horst Albrecht in den letzten Jahren nicht leicht. Die drei Töchter sind aus dem Haus, haben eigenen Familien. Die Alterspension von der Telekom ist mehr als ausreichend und kommt pünktlich. Es könnte alles so schön sein. Doch Frau Ilse erkrankte schwer- Parkinson. Jahreland wurde sie von Horst Albrecht und Helfern im Haus gepflegt. Doch es überstieg die Kräfte. Das Haus wrurde verkauft, betreutes Wohnen und Pflegeheim waren die nächsten Stationen. Im Jahre 2001 starb Ilse Albrecht. Horst Albrecht lebt jetzt in einer Eigentumswohnung in Hittfeld und hat sich die Möglichkeit offen gelassen, dort auch versorgt zu werden. "Ab und zu hat man seine Wehwehchen und man braucht auch für manche Dinge einfach mehr Zeit. Aber damit muß man sich abfinden," sagt Horst Albrecht in einem Gespräch mit mir. Und erzählt sofort von seinen Plänen für die kommenden Monate. Im Juni 2004 Teilnahme an den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften. "Dort will ich meinen ersten deutschen Titel holen," so der Ehrgeizige. Und mit einem leichten Grinsen: "So viel Konkurrenten in meiner Altersklasse gibt es ja nicht mehr." Im Juli stehen die Europameisterschaften in Aarhus (Dänemark) an. Die Hallen-Europameisterschaften 2005 in San Sebastian (Spanien) will Horst Albrecht auf jeden Fall noch mitnehmen. "Ich habe bisher 39 internationale Medaillen gewonnen. Mein Ziel ist es 50 zu schaffen. Wenn ich gesund bleibe, dann schaffe ich das auch", ist Horst Albrecht überzeugt. Ich auch! - wo. -

http://www.tusfleestedt.de/images/Vereinsgeschichte/Ehrung_Horst_Albrecht_small.jpg
Alle Jahre wieder: Ehrung der Besten beim TuS. Horst Albrecht ist dabei und erhält entweder Pott oder Urkunde - meistens beides von Abteilungsleiter Horst Wille